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oszillation

Oszillation


lat. oscillare engl. oscillation
franz. oscillation Gegenbegriffe
WortfeldPendelbewegung, Schwingung, Oszillator, Oszillogramm, Oszillograph

Disziplinäre Begriffe

  • Physik: Ein dynamisches System, das zwischen zwei oder mehr Zuständen mehr oder weniger regelmäßig wechselt.

Material

A. Primärmaterial

1740Zedler, Johann Heinrich: (Art.) Oscillation, in: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 25, S. 1057.
1797Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph von: Ideen zu einer Philosophie der Natur, in: Werke, hg. u. eingel. v. Otto Weiß, Leipzig, 1907, Bd. 1, S. 269: "Licht und Wärme ist bloßer Ausdruck unseres Gefühls, nicht eine Bezeichnung dessen, was auf uns wirkt. Schon daraus, daß Licht und Wärme auf ganz verschiedene Sinne – so ganz verschieden wirken, können wir schließen, daß wir mit beiden bloße Modifikationen unseres Organs bezeichnen. Eine ungewöhnliche Oszillation unsrer Kopf- und Sehnerven, ein plötzlicher Schrecken, plötzliches Erstaunen oder irgend eine andere Rührung unseres Auges macht, daß wir Licht sehen, wo wirklich keines ist."
1799Novalis: Die Christenheit oder Europa, in: ders., Schriften, hg. von Paul Kluckhohn und Richard Samuel, Stuttgart, 1960-1977, Bd. 3, S. 510: "Ueberdem haben wir ja mit Zeiten und Perioden zu thun, und ist diesen eine Oszillation, ein Wechsel entgegengesetzter Bewegungen nicht wesentlich?"
1805/06Bei Friedrich Schleiermacher ist der Begriff der 'Oscillation' ein zentraler und universeller philosophischer Begriff. In seiner Ethik bezeichnet O. die Bewegungsform zwischen den als Pole gedachten Gegensätzen (zwischen Allgemeinem und Besonderem, Erkennen und Darstellen, in der Persönlichkeit und im Staat). Oszillation als Bewegungsform bezeichnet eine romantische Alternative zur (hegelschen) Dialektik. Die Figur der Oszillation bezieht sich bei Schleiermacher offenbar auf mathematische Modelle, steht aber zugleich im Zusammenhang mit dem Begriff des Lebens. Vgl. Friedrich Schleiermacher, Werke. Auswahl in vier Bänden, hg. v. Otto Braun und Joh. Bauer, Zweiter Band: Entwürfe zu einem System der Sittenlehre, Leipzig 1913 (Register). — Ernst Müller 2009/03/24 11:27 Vgl. auch Johannes Michael Dittmer, Schleiermachers Wissenschaftslehre als Entwurf einer prozessualen Metaphysik in semiotischer Perspektive, Berlin und New York, S. 351 f. Volltext
1810Ritter, Johann Wilhelm: Fragmente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers, Bd. II, 1810, S. 232: "Wie das Licht, so ist auch der Ton Bewußtsein oder Selbheit. Jeder Ton ist im Leben des tönenden Körpers und in ihm, was so lange anhält, als dieser Ton, mit ihm aber erlischt - wie das Leben im Krystall, setze ich hinzu, welches im Verscheiden seine Vestigia als Klangfigur zurückläßt. Jeder Ton ist ein ganzer Organismus von Oscillation, Figur und Gestalt, wie jedes organische Gebilde."
1813/17Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise, in: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. 11, S. 18: "Ich glaube nämlich, daß die Masse der Erde überhaupt, und folglich auch besonders ihre hervorragenden Grundfesten, nicht eine beständige, immer gleiche Anziehungskraft ausüben, sondern daß diese Anziehungskraft sich in einem gewissen Pulsieren äußert, so daß sie sich durch innere notwendige, vielleicht auch äußere zufällige Ursachen bald vermehrt, bald vermindert. Mögen alle anderen Versuche, diese Oszillation darzustellen, zu beschränkt und roh sein, die Atmosphäre ist zart und weit genug, um uns von jenen stillen Wirkungen zu unterrichten."
1836/43Droysen, Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus, Darmstadt 1952f., Bd. 3, S. 76: "In stets parallelen Strömungen fluten die Verhältnisse der hellenischen und hellenistischen Staaten; es bestimmt sie der jedesmalige Vorteil, das momentane Bedürfnis, die bald daher, bald dorther drohende Gefahr einer emporwachsenden Übermacht; nicht die innere Notwendigkeit nationaler Prinzipien, sondern die ganz äußerliche Mechanik einer eifersüchtigen, in steter Oszillation die eigenen Kräfte abnutzenden Gleichgewichtspolitik bestimmt sie."
1867Bei Marx findet sich der Begriff O. zur Charakterisierung der permanenten Schwankungen der Marktpreise um einen idealen Durchschnittswert, der durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt wird; darüber hinaus auch zur Darstellung naturwüchsiger ökonomischer Vorgänge, die sich aus der Konkurrenz am Markt ergeben. Vgl. MEW 23, S. 603, 668.
1935Fleck, Ludwik: Erfahrung und Tatsache, Frankfurt/M. 1983, S. 75: Bei Fleck meint der Begriff der Oszillation die schöpferischen Prozesse im Vorfeld der Konstitution einer ,wissenschaftlichen Tatsache’. Fleck untersucht in seiner wissenschaftssoziologischen Theorie des Erkennens den Kreislauf der Gedanken innerhalb der verschiedenen Denkstile und stellt fest, „dass das Erkennen drei grundsätzliche Etappen durchläuft: Eine Entdeckung erscheint zuerst als ein schwaches Widerstandsaviso, das die sich im schöpferischen Chaos der Gedanken abwechselnden Denkoszillationen hemmt. Aus diesem Aviso entsteht auf dem Weg des sozialen, stilisierenden Kreisens der Gedanken ein beweisbarer, d.h. ein Gedanke, der sich im Stilsystem unterbringen lässt. Die weitere Entwicklung verändert ihn in einen […] selbstverständlichen Gedanken, […] in einen ,Gegenstand’ […] So sieht die Evolution dessen aus, was wir ,wirklich’ nennen.“ Vgl. auch S. 160f.
1997Rheinberger, Hans-Jörg: Von der Zelle zum Gen, in: Rheinberger/Hagner/Wahrig-Schmidt (Hg.): Räume des Wissens. Repräsentation, Codierung, Spur. Berlin, 1997, S. 272: „Der Prozess des Analogisierens, Modellierens und Realisierens verläuft nicht von der Erscheinung zum Wesen, von der Repräsentation zum Repräsentierten, von der Oberfläche in die Tiefe; er konstituiert sich vielmehr horizontal, als ein laterales Oszillieren zwischen verschiedenen Repräsentationsräumen: als Vergleichung, Verschiebung, Marginalisierung, Hybridisierung und Pfropfung verschiedener Repräsentationen mit- und gegeneinander, die sich verschiedenen Vorgehensweisen in einem offenen Bezug der Forschung verdanken.“
2002Knorr Cetina, Karin: Die Fabrikation von Erkenntnis. Zur Anthropologie der Naturwissenschaften, Frankfurt/M., 2002, Kapitel 2.3. Die lokale Herkunft und die Oszillation von Entscheidungskriterien, S. 77-82; darin: „Die Oszillation von Entscheidungskriterien in Abhängigkeit von Gelegenheit erzeugten Präferenzen und Möglichkeiten scheint vielmehr ein allgemeines Merkmal wissenschaftlicher Praxis zu sein.“

B. Sekundärmaterial

Begriffsgeschichtliche Arbeiten

Sonstige Literatur

  • Kragh, Helge: Continual Fascination: The Oscillating Universe in Modern Cosmology. In: Science in Context, 22/4 (2009), S. 587-612.
  • Rustemeyer, D.: Oszillationen. Kultursemiotische Perspektiven, Würzburg, 2006.

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