Zelle


lat. cella engl. cell
franz. cellule Gegenbegriffe
WortfeldKlause, Gefängniszelle, Telefonzelle, Betriebszelle, Faser, Stammzelle

Disziplinäre Begriffe

  • Religion: Wohnraum des Mönchs (auch in Bezug auf das Konklave gebraucht).
  • Rechtswesen: Bezeichnung für den Raum des Strafvollzugs (ebenso, jedoch in eingeschränkter Bedeutung auch in der Psychiatrie in gebraucht).
  • Medizin: Anatomische, biologische Struktur: Die kleinste elementare Einheit aller Lebewesens (Anatomie, Biologie); Fachwissenschaft: Cytologie.
  • Politik/ Soziologie: Metaphorische Verwendung in der Soziologie und der Politik (z.B. die Basis von Bewegungen und Parteien). Auch in Bezug auf (politische) kriminelle Vereinigungen gebraucht (z.B. Terrorzelle).
  • Technik: Cellule photoélectrique; Brennstoffzelle usw.
  • Meteorologie: Verwendet zur Bezeichnung von Zirkulationssystemen.
  • Soziologie: Eine meist kleine Gruppe geschlossen agierender Personen (z.B. eine Terrorzelle).

Material

A. Primärmaterial

MA'Zelle' (von lat. cella) wurde seit dem Mittelalter v.a. zur Bezeichnung der Mönchszelle, aber auch als Benennung für die "behälter für Honig und brut in der bienenwabe" verwendet. Vgl. Jacob und Heinrich Grimm, Deutsches Wörterbuch, Leipzig, 1854 ff, Bd. 15, S. 603.
1665Die Botaniker Robert Hooke (Micrographia), Nehemia Grew und Marcello Malpighi nannten die von ihnen mittels der ersten Mikroskope an dünnen Pflanzenschnitten entdeckten Hohlraumstrukturen ('a great many little boxes') aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit Bienenwaben Zellen. Die Zelle ist hier als morphologische Struktur gekennzeichnet. Ohad Parnes macht darauf aufmerksam, dass bis ca. 1850 praktisch kein Versuch gemacht wurde, die Zelle zu einem Konzept, also zu einer erklärenden Einheit zu machen; es handelte sich um eine bloße Beschreibung der Struktur.1) Die Analogiebildung der Zelle des Korks mit den Bienenwaben ruft die Vorstellung von Vorratskammern in Erinnerung. Sowohl die englische wie auch die deutsche Bezeichnung für Keller (ursprünglich Vorratsraum für Lebensmittel; engl. cellar) lassen sich von lat. cellarium ableiten. Der metaphorische Bezugspunkt der Bienenwabe führe die Assoziation eines Gemeinschaftswerks staatsähnlich organisierter Lebewesen mit sich. Am Bienenstaat hatten Naturforscher schon seit der Antike die monarchische Struktur ihres Gemeinwesens erkannt. Canguilhem vermutet, dass Hookes Rückgriff auf die Honigwabe bereits unbewusst durch eine Assoziation von kooperativer Arbeit beeinflusst werde, die die Bienen als "individuals wholly absorbed by the republic" betrachtet.2)
1749Zedler, Johann Heinrich: (Art.) Zelle, in: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 61, S. 559-560.
1775Foucault zu J. Hanway, The defect of Police (1775): "Zum Prinzip der Arbeit fügt das englische Modell als wesentliche Bedingung der Besserung die Isolierung hinzu. Zur Rechtfertigung führt Hanways Entwurf von 1775 zunächst negative Gründe an: die Vermischung im Gefängnis führt zu schlechtem Beispiel und zur Möglichkeit von Flucht, Erpressung oder Komplizenschaft. […] Die Zelle, jene Technik des christlichen Mönchstums, die nur noch in katholischen Ländern weiterbesteht, wird in dieser protestantischen Gesellschaft das Instrument zur Wiederherstellung des homo oeconomicus und des religiösen Bewußtseins."3)
1839Einheitliche Theorie der Zelle für Pflanzen und Tiere durch Theodor Schwann und Matthias Schleiden. Nach Johach versucht Schwann (Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen, 1839) in seiner Theorie der Zellentstehung den spekulativen Geist aus der Biologie auszutreiben, indem er das physikalische Modell der Kristallisation auf biologische Prozesse überträgt: "Durch die Analogie der Zell- mit der Kristallbildung werden diesem Vorgang, der sich nicht in actu beobachten lässt, Begriffe aus der bereits gut erforschten Kristallchemie assoziiert".4)
19. Jh."Statt der Bienen sind es nun also Zellen, die in einem Staat zusammenleben und so ein Gemeinschaftswerk vollbringen: den Aufbau eines komplexen tierischen oder pflanzlichen Organismus."5)
1859Virchow, Rudolf: Atome und Individuen. Vortrag, gehalten im wissenschaftlichen Verein der Singakademie zu Berlin am 12. Februar 1859, in: ders., Vier Reden über Leben und Kranksein, Berlin 1862, S. 37-76.
Virchow habe mit seiner Zelltheorie das Ziel verfolgt, die "organische Metaphorik der konservativen Semantik des 'Staatsorganismus' zu entziehen und in einen liberalistischen Rahmen zu überführen."6)
1866 Lange, Friedrich Albert: Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart, S. 615:
„Nicht minder unkritisch wird Liebig, wenn er die kategorische Behauptung ausspricht: »Nie wird es der Chemie gelingen, eine Zelle, eine Muskelfaser, einen Nerv, mit einem Worte, einen der wirklich organischen, mit vitalen Eigenschaften begabten Teile des Organismus oder gar diesen selbst in ihrem Laboratorium darzustellen.« Warum nicht? Weil die Materialisten die organischen Stoffe mit den organischen Teilen verwechselt haben? Das kann doch kein Grund für jene Behauptung sein. Man kann die Verwechslung korrigieren, so bleibt die Frage nach der chemischen Darstellbarkeit der Zelle doch noch immer eine offene und dabei eine nicht ganz müßige. Eine Zeitlang glaubte man, daß die Stoffe der organischen Chemie nur im Organismus entstehen könnten. […]
/696/ Vogt hebt, theoretisch reiner, den metaphysischen Begriff der Einheit hervor; Virchow hält sich an den physiologischen, an die Gemeinsamkeit des Lebenszweckes, und dieser Begriff zeigt uns die Relativität des Gegensatzes von Einheit und Vielheit ganz anschaulich. Im Pflanzenreich kann ich nicht nur die Zelle und die ganze Pflanze als Einheit betrachten, sondern auch den Ast, den Sproß, das Blatt, die Knospe. Es mag sich aus praktischen Gründen empfehlen, den einzelnen Trieb, welcher als Ableger ein selbständiges Dasein führen kann, als Individuum zu betrachten; dann ist die einzelne Zelle nur ein Teil desselben und die Pflanze ist eine Kolonie. Der Unterschied ist doch ein relativer. Kann die einzelne Zelle einer höheren Pflanze kein selbständiges Dasein führen, ohne in der Umgebung der andern Zellen zu bleiben, so kann es auch der Ableger nicht, ohne entweder in der Pflanze oder im Boden zu wurzeln. Alles Leben ist nur im Zusammenhange mit naturgemäßer Umgebung möglich, und die Idee eines selbständigen Lebens ist bei dem ganzen Eichbaum so gut eine Abstraktion, wie bei dem kleinsten Fragment eines losgerissenen Blättchens. Unsre neueren Aristoteliker legen Wert darauf, daß der organische Teil nur im Organismus entstehen und nur in diesem leben könne. Es ist aber mit der mystischen Herrschaft des Ganzen über den Teil nicht viel anzufangen. Die ausgerissene Pflanzenzelle führt ihr Zellenleben in der Tat weiter, wie das ausgerissene Herz des Frosches noch zuckt. Wenn der Zelle kein Saft mehr zugeführt wird, so stirbt sie, wie in demselben Falle auch der ganze Baum stirbt; die kürzere oder längere Zeitdauer ist in den Verhältnissen begründet, nicht im Wesen des Dinges. Eher wäre Wert darauf zu legen, daß sich die Pflanzen nicht äußerlich aus Zellen zusammenscharen, daß sich die einzelnen Zellen nicht direkt aus dem Nahrungsstoff bilden und so dem Ganzen zutreten, sondern daß sie stets in andern Zellen durch Teilung derselben entstehen. In der Tat findet für die organische Welt der aristotelische Satz, daß das Ganze vor dem Teil sei, soweit wir sehen können, meistens Anwendung; allein der Umstand, daß die Natur in der Regel so verfährt, berechtigt uns durchaus nicht, jenem Satz eine strenge Allgemeinheit zuzuschreiben.“
1867Marx, Karl: Das Kapital, Vorwort zur ersten Auflage, 1867, in: Marx-Engels-Werke, Bd. 23, S. 12:
„Die Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform, ist sehr inhaltslos und einfach. Dennoch hat der Menschengeist sie seit mehr als 2000 Jahren vergeblich zu ergründen gesucht, während andrerseits die Analyse viel inhaltsvollerer und komplizierterer Formen wenigstens annähernd gelang. Warum? Weil der ausgebildete Körper leichter zu studieren ist als die Körperzelle. Bei der Analyse der ökonomischen Formen kann außerdem weder das Mikroskop dienen noch chemische Reagentien. Die Abstraktionskraft muss beide ersetzen. Für die bürgerliche Gesellschaft ist aber die Warenform des Arbeitsprodukts oder die Wertform der Ware die ökonomische Zellenform. Dem Ungebildeten scheint sich ihre Analyse in bloßen Spitzfindigkeiten herumzutreiben. Es handelt sich dabei in der Tat um Spitzfindigkeiten, aber nur so, wie es sich in der mikrologischen Anatomie darum handelt.“
„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als ,ungeheure Warensammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Ware.“ (a.a.O., S. 49.)
1869Hartmann, Eduard von: Philosophie des Unbewussten, 2. Bde.; Bd. 1, S. 372:
„In der Faser ist also unter normalen Umständen der Kraftverbrauch, in der Zelle die Kraftproduction überwiegend. Tritt nun aber in der Zelle der Zustand reizbarer Schwäche ein, so wird nicht nur bei jedem Functioniren weit mehr Kraft verbraucht, sondern auch in Folge des häufigeren Functionirens die Gesammtdauer der Functionsruhe vermindert, wo nicht gar (wie bei den manchmal wochenlang des Schlafs entbehrenden Maniakalischen) annähernd auf Null reducirt, und dies noch dazu in einem Zustande, in welchem wahrscheinlich ohnehin die Fähigkeit zur chemischen Recomposition vermindert ist. […]
/404/ Reflexion beruht also in der That auf der Reflexthätigkeit der Cerebralganglienzellen in ihren Beziehungen zu einander; sie ist eine Reaktion einer Zelle auf einen von einer benachbarten Zelle ausgehenden Reiz, und die Uebertragung seiner Energie auf eine andere Zelle – seine Reflexion. […]
/Bd. 2., S. 143f./ Aber auch schon vor diesen neuesten überraschenden Aufschlüssen über die Träger der Ernährung und Athmung haben denkende Naturforscher bei der Betrachtung der Zelle, als der elementaren Grundform aller organischen Construction, sich zur Anerkennung lebendiger Individualität innerhalb des äusserlich abgegrenzten Organismus gedrungen gefühlt. »Alles Leben ist an die Zelle gebunden und die Zelle ist nicht bloss das Gefäss des Lebens, sondern sie ist selbst der lebende Theil« (Virchow, Vier Reden, S. 54). »Was ist der Organismus? Eine Gesellschaft lebender Zellen, ein kleiner Staat, wohl eingerichtet mit allem Zubehör von Ober- und Unterbeamten, von Dienern und Herren, grossen und kleinen« (S. 55). »Das Leben ist die Thätigkeit der Zelle, seine Besonderheit ist die Besonderheit der Zelle« (S. 10). »Eigenthümlich erscheint uns die Art der Thätigkeit, die besondere Verrichtung des organischen Stoffes, aber doch geschieht sie nicht anders, als die Thätigkeit und Verrichtung, welche die Physik in der unbelebten Natur kennt. Die ganze Eigenthümlichkeit beschränkt sich darauf, dass in den kleinsten Baum die grösste Mannigfaltigkeit der Stoffcombinationen zusammengedrängt wird, dass jede Zelle in sich einen Heerd der allerinnigsten Bewirkungen, der allermannigfaltigsten Stoffcombinationen durch einander darstellt, und dass daher Erfolge erzielt werden, welche sonst nirgend wieder in der Natur vorkommen, da nirgend sonst eine ähnliche Innigkeit der Bewirkungen bekannt ist« (S. 11). »Will man sich nicht entschliessen, zwischen Sammelindividuen und Einzelindividuen zu unterscheiden, so muss der Begriff des Individuums in den organischen Zweigen der Naturwissenschaft entweder aufgegeben, oder streng an die Zelle gebunden werden. Zu dem ersteren Resultate müssen in folgerichtigem Schlüsse sowohl die systematischen Materialisten, als die Spiritualisten kommen; zu dem letzteren scheint mir die unbefangene realistische Anschauung der Natur zu führen, insofern nur auf diese Weise der einheitliche Begriff des Lebens durch das ganze Gebiet pflanzlicher und thierischer Organismen gesichert bleibt« (S. 73-74). Dies ist das letzte Resultat Virchow's; man sieht, dass er an die Wahrheit rührt, ohne den Muth zu haben, sie kräftig zu ergreifen. Was uns hier angeht, ist seine wohlbegründete Auffassung der Zelle, welche er nach Schleiden's und Schwann's Vorgange weiter ausgebildet und damit die thierische Physiologie und Pathologie so zu sagen auf eine neue Stufe erhoben hat; vgl. Virchow, Cellularpathologie, bes. Cap. 1 und 14. – Dass die Organismen überhaupt aus Zellen bestehen, und zwar aus so vielen mikroskopisch kleinen, dafür ist der teleologische Grund der, dass die Ernährung nur durch Endosmose bewirkt werden kann, die Endosmose nur durch sehr dünne, feste Wände möglich ist also wenn bei diesen dünnen Wänden doch noch die nöthige Festigkeit erreicht werden soll, das Ganze ein Complex sehr kleiner Zellen sein muss. Wie gross die Anzahl der Zellen ist, beweise folgendes Citat: »Zu Zürich bei dem Tiefenhof steht eine alte Linde; jedes Jahr, wenn sie ihren Blätterschmuck entfaltet, bildet sie nach der Schätzung von Nägeli etwa zehn Billionen neuer lebender Zellen. Im Blute eines erwachsenen Mannes kreisen nach den Rechnungen von Vierordt und Welcker in jedem Augenblicke sechzig Billionen (man denke: 60,000,000,000,000) kleinster Zellkörper« (Virchow, S. 55). […]
/S. 215/ Wenn so die Grenze zwischen unorganischer und organischer Materie längst gefallen ist, so beginnt auch die von anorganischer und organischer Form mehr und mehr zu wanken. Freilich zeigen die zusammengesetzten organischen Typen Formen, zu denen sich (mit Ausnahme des radiären Typus) in der anorganischen Natur keine Analogie findet; aber man darf nicht vergessen, dass das Leben auch schon in dem grossen Reiche der einzelligen Organismen wohnt, und die Zelle findet in der That ihr Analogen in der anorganischen Natur.“
1878Haeckel, Ernst: Zellseelen und Seelenzellen. Vortrag gehalten am 22. März 1878 in der 'Concordia' zu Wien, 2. Aufl., Leipzig 1923:
"Die Zellen verhalten sich dabei ganz ebenso, wie die wohlerzogenen Staatsbürger eines gut eingerichteten Kulturstaates. In der Tat ist unser Leib, wie der Leib aller höheren Tiere, ein solcher zivilisierter Zellenstaat. Die sogenannten 'Gewebe' des Körpers, Muskelgewebe, Bindegewebe usw. entsprechen den verschiedenen Ständen oder Korporationen des Staates, oder noch genauer den erblichen Kasten, wie wir sie im alten Ägypten und noch heute in Indien antreffen. Die Gewebe sind die erblichen Zellenkasten im Kulturstaate des vielzelligen Organismus. Die Organe aber, die sich wieder aus verschiedenen Geweben zusammensetzen, sind der verschiedenen Ämtern und Instituten zu vergleichen. An der Spitze aller steht die mächtige Zentralregierung, das Nervenzentrum, das Gehirn. Je vollkommener das höhere Tier entwickelt, je stärker die Zellenmonarchie zentralisiert ist, desto mächtiger ist das beherrschende Gehirn, und desto großartiger ist der elektrische Telegraphenapparat des Nervensystems zusammengesetzt, welcher das Gehirn mit seinen wichtigsten Regierungsbehörden, den Muskeln und Sinnesorganen, in Verbindung setzt." S. 49.
1879Hertwig, Oscar: Die Geschichte der Zellentheorie, in Deutsche Rundschau 20, 1879, S. 429. Hertwig schreibt, in Tieren und Pflanzen seien die Zellen selbst "zu kleinen Baumeistern geworden, welche die allercomplicirtesten Bauwerke aufführen".7)
1882/87Nietzsche, Friedrich: Die fröhliche Wissenschaft, in: ders., Werke, Bd. 2, S. 122f.
„Wohlwollen. – Ist es tugendhaft, wenn eine Zelle sich in die Funktion einer stärkeren Zelle verwandelt? Sie muß es. Und ist es böse, wenn die stärkere jene assimiliert? Sie muß es ebenfalls; so ist es für sie notwendig, denn sie strebt nach überreichlichem Ersatz und will sich regenerieren. Demnach hat man im Wohlwollen zu unterscheiden: den Aneignungstrieb und den Unterwerfungstrieb, je nachdem der Stärkere oder der Schwächere Wohlwollen empfindet. Freude und Begehren sind bei dem Stärkeren, der etwas zu seiner Funktion umbilden will, beisammen: Freude und Begehrtwerdenwollen bei dem Schwächeren, der Funktion werden möchte. – Mitleid ist wesentlich das erstere, eine angenehme Regung des Aneignungstriebes […]“.
1885Virchow, Rudolf: Der Kampf der Zellen und der Bakterien, in: Archiv 101, 1885, S. 1-13:
Die Vertreter der Zellularpathologie in Deutschland, die sich zuvor gegen die Säfte und Nervenlehre durchzusetzen hatten, müssen ihre Krankheitskonzepte in den 1870er und 80er Jahren gegen die Bakteriologie verteidigen, die im Zuge des starken Interesses an krankheitsverursachenden Mikroorganismen (und im Zusammenhang mit anderen Parasitentheorien) den "armen kleinen Zellen" (Virchow, S. 9) den Rang abzulaufen drohen. Die Pariser Zeitschrift 'Le Journal médical quotidien' 61, 1885, S. 3, hatte geschrieben: "Die Zellularpathologie hat sich überlebt. Unser Körper ist nicht mehr länger jene 'Republik aus Zellen, die alle ihr eigenes Leben führen'. Ihr Zellenstaat ist entront, großer Meister. […] Nieder mit den Zellen, hoch leben jene unendlich kleinen, aber sich stark vermeherenden, unabhängigen Wesen, […] die von außen kommen und dabei in den Organismus wie Sudanesen eindringen und ihn mit dem Recht des Eroberrers verwüsten."8)
"Es lässt sich beobachten, dass in der Auseinandersetzung mit der Bakteriologie auch in Virchows Rhetorik jene Kriegsmetaphern Einzug halten, die aus dem Körper einen Kampfschauplatz machen."; "Virchows auf den Konsens der Teile gebauter föderalistisch-demokratischer Zellenstaat wird mehr und mehr zur Festung; die Zellen (das Eigene) werden in Stellung gebracht gegen die Erreger (das Fremde)."9)
Virchow, Kampf der Zellen und Bakterien, S. 11: "Augenscheinlich treten sich hier zwei lebende Mikroorganismen feindlich gegenüber: die mikroskopischen Zellen, die vitalen Elemente des Körpers einerseits, die noch kleineren Pilze, diese niedersten Pflänzchen, andererseits. [..] Welcher von beiden ist der Angreifer? Wie macht er seinen Angriff? Widersteht der andere und vermittelst welcher Eigenschaften? Welcher von beiden wird vernichtet?"
1885Engels, Friedrich: Vorwort zu: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: MEW, Bd. 20, S. 14:
„War schon vor Jahren Virchow genötigt gewesen, infolge der Entdeckung der Zelle die Einheit des tierischen Individuums mehr fortschrittlich als naturwissenschaftlich und dialektisch in eine Föderation von Zellenstaaten aufzulösen, so wird der Begriff der tierischen (also auch menschlichen) Individualität noch weit verwickelter durch die Entdeckung der amöbenartig im Körper der höhern Tiere herumkriechenden weißen Blutzellen. Es sind aber grade die als unversöhnlich und unlösbar vorgestellten polaren Gegensätze, die gewaltsam fixierten Grenzlinien und Klassenunterschiede, die der modernen theoretischen Naturwissenschaft ihren beschränkt-metaphysischen Charakter gegeben haben.“
1888Engels, Friedrich: in: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, in: MEW, Bd. 21, S. 294f:
„Vor allem sind es aber drei große Entdeckungen, die unsere Kenntnis vom Zusammenhang der Naturprozesse mit Riesenschritten vorangetrieben haben: Erstens die Entdeckung der Zelle als der Einheit, aus deren Vervielfältigung und Differenzierung der ganze pflanzliche und tierische Körper sich entwickelt, so daß nicht nur die Entwicklung und das Wachstum aller höheren Organismen als nach einem einzigen allgemeinen Gesetz vor sich gehend erkannt, sondern auch in der Veränderungsfähigkeit der Zelle der /295/ Weg gezeigt ist, auf dem Organismen ihre Art verändern und damit eine mehr als individuelle Entwicklung durchmachen können. – Zweitens die Verwandlung der Energie, die uns alle zunächst in der anorganischen Natur wirksamen sogenannten Kräfte, die mechanische Kraft und ihre Ergänzung, die sogenannte potentielle Energie, Wärme, Strahlung (Licht …)“
1899Haeckel, Ernst: Die Welträtsel, in: ders., Gesammelte Werke, Bd. 3, S. 8f:
„Die verbesserten Methoden der mikroskopischen und biologischen Untersuchungen haben uns nicht nur überall im Reiche der einzelligen Protisten eine »unsichtbare Lebenswelt« voll unendlichen Formenreichtums offenbart, sondern auch in der winzigen kleinen Zelle den gemeinsamen »Elementarorganismus« kennen gelehrt, aus dessen sozialen Zellverbänden, den Geweben, der Körper aller vielzelligen Pflanzen und Tiere ebenso wie der des Menschen zusammengesetzt ist. Diese anatomischen Kenntnisse sind von größter Tragweite; sie werden ergänzt durch den embryologischen Nachweis, daß jeder höhere vielzellige Organismus sich aus einer einzigen einfachen Zelle entwickelt, der »befruchteten Eizelle«. Die bedeutungsvolle, hierauf gegründete Zellentheorie hat uns erst das wahre Verständnis für die physikalischen und chemischen, ebenso wie für die psychologischen Prozesse des Lebens eröffnet, jene geheimnisvollen Erscheinungen, für deren Erklärung man früher eine übernatürliche »Lebenskraft« oder ein »unsterbliches Seelenwesen« annahm. Auch das eigentliche Wesen der Krankheit ist durch die damit verknüpfte Zellularpathologie dem Arzte erst klar und verständlich geworden.“ […]
/33f./ Aber dieser erste Versuch führte nicht weit, da ihm das gemeinsame Element für die zahlreichen, verschiedenen Gewebe unbekannt blieb. Dies wurde erst 1838 für die Pflanzen in der Zelle von Matthias Schleiden (in Jena) entdeckt und gleich darauf auch für die Tiere von Theodor Schwann nachgewiesen, dem Schüler und Assistenten von Johannes Müller in Berlin. Zwei andere berühmte Schüler dieses großen und bahnbrechenden Meisters, Albert Kölliker und Rudolf Virchow, führten dann im sechsten Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts (in Würzburg) die Zellentheorie und die darauf gegründete Gewebelehre für den gesunden und kranken Organismus des Menschen im einzelnen durch; sie wiesen nach, daß auch im Menschen, wie in allen anderen Tieren, alle Gewebe sich aus den gleichen mikroskopischen Formbestandteilen, den Zellen, zusammensetzen, und daß diese »Elementarorganismen« die wahren, selbsttätigen Staatsbürger sind, die, zu Milliarden vereinigt, unseren Körper, den »Zellenstaat«, aufbauen. Alle diese Zellen entstehen durch oft wiederholte Teilung aus einer einzigen, einfachen Zelle, aus der »Stammzelle« oder »befruchteten Eizelle« (Cytula). Die allgemeine Struktur und Zusammensetzung der Gewebe ist beim Menschen dieselbe wie bei den übrigen Wirbeltieren.
[…] Die mikroskopischen Forschungen von Albert Kölliker und von Franz Leydig (ebenfalls in Würzburg) erweiterten nicht nur unsere Kenntnis vom feineren Körperbau des Menschen und der Tiere nach allen Richtungen, sondern sie wurden auch besonders wichtig durch die Verbindung mit der Entwicklungsgeschichte der Zelle und der Gewebe; sie bestätigten namentlich die wichtige Theorie von Carl Theodor Siebold (1845), daß die niedrigsten Tiere, die Infusorien und Rhizopoden, zeitlebens einzellige Organismen sind.
[…] VI. Der wichtigste Fortschritt in der stufenweisen Ausbildung des Reflexmechanismus ist die Sonderung von drei Zellen; an die Stelle der ebengenannten einfachen Verbindungsbrücke tritt eine selbständige dritte Zelle, die Seelenzelle oder Ganglienzelle; damit erscheint zugleich eine neue psychische Funktion, die unbewußte »Vorstellung«, deren Sitz eben diese zentrale Zelle ist. Der Reiz wird von der empfindlichen Sinneszelle zunächst auf diese vermittelnde Vorstellungszelle oder Seelenzelle übertragen und erst von dieser als Befehl zur Bewegung an die motorische Muskelzelle abgegeben. Diese »dreizelligen Reflexorgane« sind überwiegend bei der großen Mehrzahl der wirbellosen Tiere entwickelt.
[…] /159f./ Die sorgfältigen Beobachtungen und zahlreichen Experiments von Verworn, im Verein mit denjenigen von Wilhelm Engelmann, Wilhelm Preyer, Richard Hertwig und anderen neueren Protistenforschern, liefern die bündigen Beweise für meine monistische »Theorie der Zellseele« (1866). Gestützt auf eigene langjährige Untersuchungen von verschiedenen Protisten, besonders von Rhizopoden, Radiolarien und Infusorien, hatte ich damals den Satz aufgestellt, daß Jede lebendige Zelle psychische Eigenschaften besitzt, und daß also auch das Seelenleben der vielzelligen Tiere und Pflanzen nichts anderes ist als das Resultat der psychischen Funktionen der ihren Leib zusammensetzenden Zellen. Bei den niederen Gruppen (z.B. Algen und Spongien) sind alle Zellen des Körpers gleichmäßig (oder mit geringen Unterschieden) daran beteiligt; in den höheren Gruppen dagegen, entsprechend den Gesetzen der Arbeitsteilung, nur ein auserlesener Teil derselben, die »Seelenzellen«. Die bedeutungsvollen Konsequenzen dieser »Zellularpsychologie« hatte ich teils 1875 in meiner Schrift über die »Perigenesis der Plastidule« erörtert, teils 1877 in meiner Münchener Rede »über die heutige Entwicklungslehre im Verhältnis zur Gesamtwissenschaft«. Eine mehr populäre Darstellung derselben enthalten meinem beiden Wiener Vorträge (1878) „über Ursprung und Entwicklung der Sinneswerkzeuge“ und „über Zellseelen und Seelenzellen“. (Gesammelte Vorträge, Bonn, 1902). Die einfache Zellseele zeigt übrigens schon innerhalb des Protistenreiches eine lange Reihe von Entwicklungsstufen, von ganz einfachen, primitiven bis zu sehr vollkommenen und hohen Seelenzuständen. Bei den ältesten und einfachsten Protisten ist das Vermögen der Empfindung und Bewegung gleichmäßig auf das ganze Plasma des homogenen Körperchens verteilt; bei den höheren Formen dagegen sondern sich als physiologische Organe derselben besondere »Zellwerkzeuge« oder Organelle. Derartige motorische Zellteile sind die Pseudopodien der Rhizopoden, die Flimmerhaare, Geißeln und Wimpern der Infusorien. Als ein inneres Zentralorgan des Zellenlebens wird der Zellkern betrachtet, welcher den ältesten und niedersten Protisten noch fehlt. In physiologisch-chemischer Beziehung ist besonders hervorzuheben, daß die ursprünglichsten und ältesten Protisten Plasmodomen waren, mit pflanzlichem Stoffwechsel, also Protophyten oder »Urpflanzen«; aus ihnen entstanden erst sekundär, durch Metasitismus, die ersten Plasmophagen, mit tierischem Stoffwechsel, also Protozoen oder »Urtiere«. Dieser Metasitismus, die »Umkehrung des Stoffwechsels«, bedeutet einen wichtigen psychologischen Fortschritt; denn damit begann die Entwicklung jener charakteristischen Vorzüge der Tierseele, welche der Pflanzenseele noch fehlen.
[…] /183/ V. Zellulare Theorie des Bewußtseins: es ist eine Lebenseigenschaft jeder Zelle. Die Anwendung der Zellentheorie auf alle Zweige der Biologie verlangt auch ihre Verknüpfung mit der Psychologie. Mit demselben Rechte, mit dem man in der Anatomie und Physiologie die lebendige Zelle aus den »Elementarorganismus« behandelt und das ganze Verständnis des höheren, vielzelligen Tier- und Pflanzenkörpers daraus ableitet, mit demselben Rechte kann man auch die »Zellseele« als das psychologische Element betrachten und die zusammengesetzte Seelentätigkeit der höheren Organismen als das Resultat aus dem vereinigten Seelenleben der Zellen, die sie zusammensetzen. Ich habe die Grundzüge dieser Zellularpsychologie schon 1866 in meiner »Generellen Morphologie« entworfen und sie später weiter ausgeführt in meinem Aufsatz über »Zellseelen und Seelenzellen«. Zum tieferen Eindringen in diese »Elementarpsychologie« wurde ich durch meine langwierige Beschäftigung mit den einzelligen Lebensformen geführt.“
1912Le Bon, Gustave: Psychologie der Massen, 2. verb. Auflage, Leipzig 1912, S. 13f:
„An einer psychologischen Masse ist das Sonderbarste dies: welcher Art auch die sie zusammensetzenden Individuen sein mögen, wie ähnlich oder unähnlich ihre Lebensweise, Beschäftigung, ihr Charakter oder ihre Intelligenz ist, durch den bloßen Umstand ihrer Umformung zur Masse besitzen sie eine Art Kollektivsseele, vermöge deren sie in ganz anderer Weise fühlen, denken und handeln, als jedes von ihnen für sich fühlen, denken und handeln würde. Es gibt Ideen und Gefühle, die nur bei den zu Massen verbundenen Individuen auftreten oder sich in Handlungen umsetzen. Die psychologische Masse ist ein provisorisches Wesen, das aus heterogenen Elementen besteht, die für einen Augenblick sich miteinander verbunden haben, genauso wie die Zellen des Organismus durch ihre Vereinigung ein neues Wesen mit ganz anderen Eigenschaften als denen der einzelnen Zellen bilden. Im Widerspruche mit einer Anschauung, die sich befremdlicher Weise bei einem so scharfsinnigen Philosophen, wie Herbert Spencer es ist, findet, gibt es in dem eine Masse bildenden Aggregat keineswegs eine Summe und eine Durchschnittszahl der Elemente, sondern eine Kombination und Bildung neuer Elemente, genau so wie in der Chemie sich bestimmte Elemente, wie zum Beispiel die Basen und Säuren, bei ihrem Zusammenkommen zur Bildung eines neuen Körpers verbinden, dessen Eigenschaften von denen der Körper, die an seinem Zustandekommen beteiligt waren, völlig verschieden sind. (13) Leicht ist die Feststellung des Maßes von Verschiedenheit des einer Masse angehörenden vom isolierten Individuum; weniger leicht ist aber die Entdeckung der Ursachen dieser Verschiedenheit.“
1920Freud, Sigmund: Jenseits des Lustprinzips (1920), in: ders., Gesammelte Werke, Bd. 13, S. 53f:
„Nach allgemeiner Einsicht ist die Vereinigung zahlreicher Zellen zu einem Lebensverband, die Vielzelligkeit der Organismen, ein Mittel zur Verlängerung ihrer Lebensdauer geworden. Eine Zelle hilft dazu, das Leben der anderen zu erhalten, und der Zellen-/54/staat kann weiterleben, auch wenn einzelne Zellen absterben müssen. Wir haben bereits gehört, das auch die Kopulation, die zeitweilige Verschmelzung zweier Einzelliger, Lebens erhaltend und verjüngend auf beide wirkt. Somit könnte man den Versuch machen, die in der Psychoanalyse gewonnene Libidotheorie die auf das Verhältnis der Zellen zueinander zu übertragen und sich vorzustellen, dass es die in jeder Zelle tätigen Lebens- oder Sexualtriebe sind, welche die anderen Zellen zum Objekt nehmen, deren Todestriebe, das ist die von diesen angeregten Prozesse, teilweise neutralisieren und sie so am Leben erhalten, während andere Zellen dasselbe für sie besorgen und noch andere in der Ausübung dieser libidinösen Funktion sich selbst aufopfern. Die Keimzellen selbst würden sich absolut ,narzisstisch’ benehmen […] wenn ein ganzes Individuum seine Libido im Ich behält und nichts von ihr für Objektbesetzungen verausgabt. Die Keimzellen brauchen ihre Libido, die Tätigkeit ihrer Lebenstriebe, für sich selbst als Vorrat für ihre spätere, großartig aufbauende Tätigkeit. Vielleicht darf man auch die Zellen der bösartigen neue Gebilde, die den Organismus zerstören, für narzisstisch in dem selben Sinne erklären.“
1924/1951Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 1986 [EA: 1951], S. 391:
„Aber die Theorien der Polygenisten hatten auch direkt politische Wirkung durch ihren Einfluss auf die englische Intelligenz und damit auf die Haltung jener Kolonialbeamten, die in einer Mischehe das größte Unglück sahen, das überhaupt passieren, oder die größte Sünde, die ein Mann begehen konnte, da seine Kinder dieser Ideologie zufolge überhaupt keiner Rasse mehr angehören, sondern Missgeburten sind, bei denen >jede Zelle der Schauplatz eines Bürgerkriegs< ist“. (zit.: Diese für die Einstellung der englischen Kolonialbeamten so charakteristische Wendung steht in dem unter dem Pseudonym A. Carthill erschienenen Buch The Lost Dominion, 1924, S. 158, das aller Wahrscheinlichkeit nach von einem hohen Beamten der indischen Verwaltung geschrieben wurde.“
1931Lubarsch, Otto: (Zellularpathologe und Nachfolger Virchows): Krankheit bestehe darin, dass im Körper "Vorgänge auftreten, die, auf das Ganze bezogen, unzweckmäßig erscheinen, während sie im Hinblick auf die Teile zweckmäßig sein können, In der Krankheit handelt es sich um eine Erhebung der Teile gegen das ganze; die Fähigkeit der Zellen zum unabhängigen, nicht Ganzheit bezogenen Leben erwacht, die Zellen 'wollen' sich nicht mehr vom 'Ganzen' und dessen Belieben verwenden lassen und durch diesen Aufstand der kleinen Leute, des Proletariats, kommt es zu einer Störung des Zusammenklangs, der sich in der Krankheit äußert, die, wenn der Aufstand sich auf kleinere Bezirke beschränkt, ohne Hilfe des Ganzen (der 'Zentralgewalt') ausgeglichen werden kann. Wir der Aufruhr allgemein, so muß das Ganze eingreifen, siegt es , so ist die Gesundheit wiederhergestellt, unterliegt es, so erfolgt der Tod des Ganzen, der Person."10)
Eva Johach macht darauf aufmerksam, dass die seit Agrippa zum Topos gewordene Einkleidung des politischen Aufstandes in Körpermetaphern hier umgekehrt wird, indem nicht der Aufstand der Proletarier in einem Aufstand der Organe versinnbildlicht wird, sondern umgekehrt die Körperzellen zu Proletarier stilisiert werden, die sich nicht integrieren lassen.
1941Horkheimer, Max: Vernunft und Selbsterhaltung, in: ders., Autoritärer Staat, Amsterdam 1967, S. 104: „Die Zelle der Gesellschaft ist nicht mehr die Familie, sondern das soziale Atom, das Individuum allein.“
1973"Die Familie ist die kleinste Zelle der Gesellschaft." Familiengesetzbuch der DDR. Kommentare des GG beschreiben auch für die Bundesrepublik die 'Familie als Keimzelle des Staates'.

B. Sekundärmaterial

Begriffsgeschichtliche Arbeiten

  • Müller-Strahl, G.: (Art.) Zelle, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg. v. J. Ritter, K. Gründer u. G. Gabriel. Bd. 12, Basel, 2004, Sp. 1277-1281.
  • ders., Der biologische Zellbegriff. Verwendung und Bedeutung in THeorien organischer Materie, in: AfB, Bd. 46, 2004, S. 109-136.
  • Toepfer, Georg: (Art.) Zelle, in: Historisches Wörterbuch der Biologie. Geschichte und Theorie der biologischen Grundbegriffe, Stuttgart und Weimar, 2009 ff.

Siehe auch:

  • Ballauff, Th: (Art.) Protoplast, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg.v. J. Ritter. Bd. 7, Basel/Stuttgart, 1989, Sp. 1540.
  • Wellek, A. u. H.u. Engländer: (Art.) Differenzierung, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg.v. J. Ritter. Bd. 2, Basel/Stuttgart, 1972, Sp. 237-242

Sonstige Literatur

  • Baker, John R.: Remarks on the Discovery of Cell-Division. In: Isis 42, 1951, S. 285-287. Vorschau
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  • Bruhn, Matthias: Life lines: An art history of biological research around 1800. In: Studies in History and Philosophy of Science Part C, 42/4 (2011), S. 368-380.
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  • Wilson, J. Walter: Cellular Tissue and the Dawn of the Cell Theory. In: Isis 35, 1944, S. 168-172.

Redaktionsseite

1)
Vgl. Parnes, Ohad: Vom Prinzip zum Begriff. Theodor Schwann und die Entdeckung der Zelle, in: Ernst Müller und Falko Schmieder, Begriffsgeschichte der Naturwissenschaften. Zur historischen und kulturellen Dimension naturwissenschaftlicher Konzepte, Berlin und New York 2008, S. 27-51, S. 28.
2)
Vgl. Canguilhem, Georges: Cell Theory (1979), in: ders., The Vital Rationalist, New York, 2000, S. 161-178, S. 162. Sowie: Johach, Eva: Krebszelle und Zellenstaat, S. 103 ff.
3)
Foucault, Michel: Überwachen und Strafen, S. 158 f.
4)
Johach, Eva: Krebszelle und Zellenstaat, S. 109.
5)
Johach, Eva: Krebszelle und Zellenstaat, S. 105.
6)
Johach, Eva: Krebszelle und Zellenstaat, S. 121. Johach bezieht sich hier auf Roberto Esposito: Immunitas. Schutz und Negation des Lebens, Berlin 2004, S. 183.
7)
Hertwig, Oscar: Die Geschichte der Zellentheorie, in Deutsche Rundschau 20, 1879, S. 429, hier zit. nach Johach, S. 105.
8)
Eva Johach, Krebszelle und Zellenstaat, S. 228 f.
9)
Johach, 238f.
10)
Lubarsch, Otto: Ein bewegtes Gelehrtenleben, Berlin 1938, zit. nach Eva Johach, Krebzelle und Zellenstaat, Freiburg 2008, S. 267.
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