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begriffe:milieu

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mueller
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-|**17. Jh.**|„Im Anschluß an ‚aer ambiens’ und ‚locus ambiens’ bildet sich im 17. Jahrhundert die Vorstellung von Raum, [[begriffe:aether]] oder Luft als eines  ‚[[:mediums|Mediums]]’, eines umgebenden und leitenden Elements. Medium seinerseits entwickelt sich von den Bedeutungen ‚Mitte’ und ‚Ort, wo man sich befindet’ zu ‚Umgebung’ und ‚Milieu’. Aus der Sprache der Physik dringt ‚ambient medium’, ‚milieu ambiant’ in die der Biologie und weiter in die Sprache der Soziologie, wobei Balzac und Taine eine große Rolle gespielt haben. Die Vorstellung eines nur Umgebenden wird zunehmend verwandelt und verfestigt zu der eines Bedingenden und Beeinflussenden. Und damit ist die Erklärung einer sozialen oder gar individuellen Erscheinung aus ihrer Umgebung, ihrem Milieu, ihrer [[:umwelt]] möglich, was mit Beispielen aus mehreren europäischen Sprachen reich dokumentiert wird.“; „'Milieu' wandelt sich in der Veränderung des physikalischen Weltbildes vom bloß umgebenden Raum, Äther oder der Luft zur bedingenden und wesentlich beeinflussenden Umgebung oder Umwelt, wie sie zunächst die Biologie und dann die Soziologie konzipierte. Dabei werden bloß räumliche Beziehungen überlagert von qualitativen wie Teil und Ganzem oder kausalen wie Ursache und Wirkung.“ (Günther, Horst: Freiheit, Herrschaft und Geschichte. Semantik der historisch-politischen Welt. Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1979, S. 14).|+|**17. Jh.**|„Im Anschluß an ‚aer ambiens’ und ‚locus ambiens’ bildet sich im 17. Jahrhundert die Vorstellung von Raum, [[begriffe:aether]] oder Luft als eines  ‚[[:mediums|Mediums]]’, eines umgebenden und leitenden Elements. Medium seinerseits entwickelt sich von den Bedeutungen ‚Mitte’ und ‚Ort, wo man sich befindet’ zu ‚Umgebung’ und ‚Milieu’. Aus der Sprache der Physik dringt ‚ambient medium’, ‚milieu ambiant’ in die der Biologie und weiter in die Sprache der Soziologie, wobei Balzac und Taine eine große Rolle gespielt haben. Die Vorstellung eines nur Umgebenden wird zunehmend verwandelt und verfestigt zu der eines Bedingenden und Beeinflussenden. Und damit ist die Erklärung einer sozialen oder gar individuellen Erscheinung aus ihrer Umgebung, ihrem Milieu, ihrer [[begriffe:umwelt]] möglich, was mit Beispielen aus mehreren europäischen Sprachen reich dokumentiert wird.“; „'Milieu' wandelt sich in der Veränderung des physikalischen Weltbildes vom bloß umgebenden Raum, Äther oder der Luft zur bedingenden und wesentlich beeinflussenden Umgebung oder Umwelt, wie sie zunächst die Biologie und dann die Soziologie konzipierte. Dabei werden bloß räumliche Beziehungen überlagert von qualitativen wie Teil und Ganzem oder kausalen wie Ursache und Wirkung.“ (Günther, Horst: Freiheit, Herrschaft und Geschichte. Semantik der historisch-politischen Welt. Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1979, S. 14).|
 |**1946/1947**|Canguilhem, Georges: Le vivant et son milieu (1946/1947) In: Ders., La connaissance de la vie. Paris, 1965, (Paris, 2003) S. 129 - 197.| |**1946/1947**|Canguilhem, Georges: Le vivant et son milieu (1946/1947) In: Ders., La connaissance de la vie. Paris, 1965, (Paris, 2003) S. 129 - 197.|
  
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   * Holmes, F.L.: Claude Bernard, the milieu intérieur and regulatory physiology. In: History and Philosophy of the Life Sciences 8, 1986, S. 3-25.   * Holmes, F.L.: Claude Bernard, the milieu intérieur and regulatory physiology. In: History and Philosophy of the Life Sciences 8, 1986, S. 3-25.
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 +  * Huber, Florian; Wessely, Christina (Hg.): Milieu.: Umgebungen des Lebendigen in der Moderne, München: Fink, 2017.
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 +|Fragen, die das Verhältnis vom Lokalen zum Globalen zum Inhalt haben, die sich mit den Beziehungen des Subjekts zu seiner Umwelt beschäftigen und daher an einer Vertiefung von Umgebungswissen interessiert sind, können als Kernthemen moderner Wissenschaft gelten. Im Mittelpunkt steht dabei zumeist ein Begriff, der historisch an prominenter Stelle zwischen diesen Themen und Problemstellungen vermittelt hat: Milieu. Milieu – Umgebungen des Lebendigen in der Moderne erläutert deshalb für einzelne Disziplinen historische Bedeutungen und aktuelle Konjunkturen des Milieubegriffs. Ausgangspunkt aller Beiträge ist die These, dass die Zirkulation des Milieubegriffs durch Disziplinen und Wissensfelder diesen beständig transformiert, und ihm gerade dadurch ein Potenzial zur strukturellen Beschreibung von Umgebungen des Lebendigen erwächst.Mit Beiträgen von Wolf Feuerhahn, Nils Güttler, Claus Leggewie, Johannes Lehmann, Felix Lüttge, Maria Muhle, Florian Sprenger, Laurent Stalder, Michael Vester und einer Einleitung der Herausgeber.|
  
   * Spitzer, Leo: Milieu and Ambiance: An Essay in Historical Semantics. In: Philosophy and Phenomenological Research 3/1, 1942, S. 1-42. [[http://www.jstor.org/pss/2103127|Vorschau]];  Vgl. auch: 3/2, 1943, S. 169–218. [[http://www.jstor.org/pss/2102775|Vorschau]]   * Spitzer, Leo: Milieu and Ambiance: An Essay in Historical Semantics. In: Philosophy and Phenomenological Research 3/1, 1942, S. 1-42. [[http://www.jstor.org/pss/2103127|Vorschau]];  Vgl. auch: 3/2, 1943, S. 169–218. [[http://www.jstor.org/pss/2102775|Vorschau]]
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